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EGS-Berichte


19.08.2002:
Einsatzbericht des OV BGL über die Murenverbauung in Laufen

Einsatzlage: Haus am Fuße eines etwa 35m hohen Hanges, der untere Bereich des Hanges wurde im Hausbereich ausgekoffert und mit einer Zyklopenmauer in ca. 70 % Winkel gefasst. Bedingt durch starke Regenfälle riß der Hang oberhalb des Hauses auf einer Breite von etwa 15m auf und drohte das Haus zu verschütten. Die Alarmierung erfolgte über die FW Laufen.

Sicherung:
Als Sofortmaßnahme wurde der Hang großflächig über Mure, Abrißkante und die oberen Hangteile mit Planen abgedeckt, um eine weitere Gewichtsbelastung und Verflüssigung der Bodenschichten durch Regen- und Oberflächenwasser zu verhindern. Natürlich wurde das Gebäude auch sofort evakuiert. Das dadurch entstandene Zeitfenster wurde genutzt, um vor dem Gebäude eine "Prallwand", bestehend aus dem Grundgerüst einer Strebstütze in Richtung Zyklopenmauer zu errichten. Der Aufbau erfolgte im feldweisen Vortrieb im Sinne eines Arbeitens aus dem gesicherten in den zu sichernden Bereich. Dies erwies sich mehrere Male als sinnvoll, da es während der Aufbauarbeiten einige der Mauersteine(Maße ca 1m x 0,5m x 0,3m) "regnete". Die Kräfteableitung erfolgte in die Grundfesten des Hauses; im oberen Bereich an den Anschlußstellen der Außenwände und der Tragmauern des Gebäudes.

Nach Fertigstellung der "Prallwand" wurde in Rücksprache mit den inzwischen eingetroffenen Statikern und Geologen der Kraft- und vor allem Formschluß des EGS zu den gefährdetsten Mauerbereichen gebaut. Eine flächige/lückenlose Verbauung erfolgte bewusst nicht, da das Ziel des Gerüstes war, zum einen die den Hang haltende Zyklopenmauer zu stabilisieren, andererseits jedoch für den Fall eines Nachgebens dieser Mauer als Knautschzone die schweren Steine zu bremsen, die dahinterliegenden Feinbodenteile jedoch zumindest teilweise durchzulassen, um die auf ca. 600t geschätzte Gesamtmasse des drückenden Hanges dosiert verzögern zu können. Anschließend wurde der Fußbereich der Mure mit Hilfe eines Sandsackkeils geblockt, um die dort wirkenden Horizontalkräfte abzufangen. Für den Fall der Fälle wurden außerdem die murennahen Fenster- und Türöffnungen des Gebäudes mit Balken und Bohlen abgeschottet. Um Bewegungen der Massen und Veränderungen der Belastungen ablesen zu können, wurde zum Einem die Mure mit Holzpflöcken beidseits markiert, zum Anderen die Abstände der Gerüstdiagonalen mittig gemessen. Alle Werte wurden im Einsatzprotokoll festgehalten und regelmäßig überwacht.

Am nächsten Tag zeigte sich der Wert des Gerüstverbauung: An zwei Stellen war der Druck der Mure während der Nacht so angestiegen, dass sich Bereiche des Gerüstes verbogen hatten, jedoch im Verbund der Felder die Mure weiter hielten. Diese Bereiche wurden mit dem EGS und mit Balken zusätzlich verstärkt. Trotz mittlerweile strahlenden Sonnenscheines rann unaufhörlich weiter Wasser aus der Mure und unterspülte kontinuierlich die Steinmauer. Oberhalb der Abrisskante wurde ein Drainagegraben gezogen; dieser erwies sich jedoch als nicht effektiv; in Zusammenarbeit mit den anwesenden Geologen wurde vom THW schließlich eine durch die Geschiebe neu entstandene Quelle im oberen Murenbereich gefunden, gefasst und ausgeleitet. Dies führte zwar zu einer deutlichen Entlastung der Murenmasse vom Wasser, die verbleibende Restmenge an Wasser wies aber auf mögliche weitere wasserführende Schichten (im Bereich zwischen 2m und 3m Tiefe, wie anhand der Undichtigkeiten in einem nahegelegenen Abwassergulli erkannt werden konnte) hin.

Probebohrungen der Geologen bestätgten das Vorhandensein von in die Mure entwässernden Sandlinsen mit jeweils nur wenigen Zentimetern Stärke in verschiedenen Bodentiefen, so dass eine sinnvolle Fassung dieser Schichten zum derzeitgen Gefährdungsstand nicht in Frage kam. Nach Abklärung der Lage mit zu Rate gezogenen Fachleuten (Felsbauingenieur, Injektor, Statiker, Geologe) wurde schließlich ein Keil aus 80m³ Schotter über das Gerüst zwischen Mure und Haus gesetzt, um die natürliche Kegelschüttung des Hanges herzustellen und die Druckkräfte zu kompensieren. Zur Aufnahme der horizontal wirkenden Spitzenkräfte der Zyklopenmauer mußte jedoch die EGS-Konstruktion im Schüttkegel verbleiben. Anschließend wurde die Evakuierung des Gebäudes aufgehoben.

Dass die dargestellte Vorgehensweise zielführend und damit richtig war, bewies sich am darauffolgenden Wochenende, als durch erneute schwerste Regenfälle der gesamte Landkreis zum Katastrophengebiet wurde (mit etlichen Murenabrissen), der gesicherte Hang jedoch sicher und stabil der Belastung standhielt.

Der dargestellte Einsatz kann durchaus als eine Art Feuertaufe des EGS in einem neuen Einsatzbereich bezeichnet werden, da im Gegensatz zur Sicherung von Gebäudeteilen mit definierten Anschlagpunkten und Lasten hier eine vollkommen anders geartete und schwer abzuschätzende Kombination aus Drucklasten und Impulsbelastungen abgefangen werden mußte.















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